Apple hat am Freitag eine Klage gegen OpenAI eingereicht und wirft dem KI-Unternehmen vor, systematisch Geschäftsgeheimnisse entwendet zu haben. Der Streit markiert das Ende einer einstigen Partnerschaft und könnte OpenAIs geplante Hardware-Strategie massiv gefährden.
Was wirft Apple OpenAI vor?
Die Klage, die beim Bundesgericht in Nordkalifornien eingereicht wurde, beschreibt eine koordinierte Kampagne zur Ausspähung von Apples Geheimnissen. Im Zentrum steht Tang Tan, OpenAIs Chief Hardware Officer, der 24 Jahre bei Apple arbeitete, zuletzt als VP für das iPhone- und Apple-Watch-Design. Apple behauptet, Tan habe Bewerbern aus Apple-Reihen aufgetragen, geheime Hardware-Komponenten zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen und dort Informationen über unveröffentlichte Produkte preiszugeben.
Ein weiterer genannter Beklagter ist Chang Liu, ein ehemaliger Apple-Ingenieur, der 2026 zu OpenAI wechselte. Ihm wird vorgeworfen, seinen Apple-Laptop nach dem Austritt nicht zurückgegeben und darauf vertrauliche technische Dokumente heruntergeladen zu haben. Zudem soll er anderen Apple-Mitarbeitern Tipps gegeben haben, wie sie die Sicherheitskontrollen des Unternehmens umgehen können.
Partnerschaft kippt zu Rivalität
Noch 2024 feierten beide Unternehmen eine vielbeachtete Kooperation: ChatGPT wurde in das iPhone-Betriebssystem integriert. OpenAI-Chef Sam Altman besuchte persönlich Apples Hauptquartier für die Ankündigung. Doch die Beziehungen erkalteten, als OpenAI im Vorjahr die Hardware-Firma IO Products des ehemaligen Apple-Designers Jony Ive für 6,4 Milliarden Dollar übernahm. Ive wurde nicht direkt in der Klage genannt, aber IO Products ist als Mitbeklagter aufgeführt.
Apple hatte im Februar einen Brief an OpenAI geschickt und seine Bedenken geäußert, erhielt jedoch keine Antwort. Das Unternehmen spricht in der Klageschrift von einem Verhalten, das auf allen Ebenen stattfand, vom einfachen Mitarbeiter bis zum Chief Hardware Officer.
Siri setzt auf Gemini statt ChatGPT
Ein weiteres Signal der Distanzierung: Die neue Siri-Version, die im Herbst 2026 erscheinen soll, basiert auf Googles Gemini-Modellen, nicht mehr auf OpenAI-Technologie. Dieser Wechsel unterstreicht, wie sehr sich die einstigen Partner voneinander entfernt haben.
OpenAI reagiert auf die Vorwürfe mit einem knappen Statement auf X: Man habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen und konzentriere sich auf den Bau innovativer Technologie. Apple hingegen fordert gerichtlich an, OpenAI die Nutzung seiner Geheimnisse zu verbieten und alle vertraulichen Materialien zurückzugeben.
Was bedeutet das für OpenAI?
Die Klage kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. OpenAI bereitet sich auf einen der größten Börsengänge der Geschichte vor. Rechtliche Auseinandersetzungen dieser Größenordnung können Investoren verunsichern und den Zeithorizont für einen IPO verschieben. Zudem steht mit der Übernahme von IO Products ein zentrales strategisches Vorhaben auf dem Spiel: OpenAIs Eintritt in den Hardware-Markt.
Apple behauptet, OpenAI habe sogar eine von Apple entwickelte Metallveredelungstechnik bei einem Zulieferer einsetzen lassen und dabei fälschlicherweise behauptet, die Erlaubnis von Apple zu haben. Die Klageschrift spricht von einem Hardware-Geschäft, das auf den schwankendsten Fundamenten ruhe, faul bis ins Mark durch die illegale Nutzung entwendeter Geheimnisse.
Die Dimensionen dieses Rechtsstreits sind enorm. Wenn Apple recht bekommt, könnte OpenAI gezwungen werden, seine gesamte Hardware-Entwicklung auf die Ursprünge ihrer Technologie zu überprüfen. Der Ausgang wird die KI-Branche für Jahre prägen.