Apple klagt gegen OpenAI: Handelsgeheimnisse gestohlen für KI-Hardware

von Marcel Buchholz 11. Juli 2026 3 Min. Lesezeit Politik

Apple hat am Freitag eine Klage gegen OpenAI eingereicht und wirft dem KI-Unternehmen vor, systematisch Geschäftsgeheimnisse entwendet zu haben, um sein eigenes Hardware-Geschäft aufzubauen. Der Streit markiert das Ende einer einst engen Partnerschaft und trifft OpenAI ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen seinen Börsengang vorbereitet.

Was wirft Apple OpenAI vor?

Die Klage, die beim Bundesgericht im nördlichen Kalifornien eingereicht wurde, beschreibt ein systematisches Vorgehen über mehrere Monate. Im Zentrum stehen zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter: Tang Tan, ein 24-jähriger Apple-Veteran und heute OpenAIs Hardware-Chef, sowie Chang Liu, ein ehemaliger Ingenieur. Apple wirft Tan vor, Bewerbungskandidaten aus den eigenen Reihen angewiesen zu haben, echte Hardware-Komponenten zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen. Batterien, Logik-Boards und System-in-Package-Module sollen auf diese Weise in OpenAIs Hände gelangt sein.

Liu hingegen soll seinen Apple-Laptop nach dem Wechsel zu OpenAI behalten und über eine Sicherheitslücke Dutzende vertrauliche Dokumente heruntergeladen haben. Zudem informierte er eine noch bei Apple beschäftigte Kollegin über Projekte und Lieferantenentscheidungen. Als er feststellte, dass er weiterhin Zugriff auf Apples Netzwerk hatte, schrieb er der Kollegin laut Klageschrift: „LOL, I found out I can access the network storage, so funny.“

Mehr als 400 Apple-Mitarbeiter bei OpenAI

Die Dimension des Vorwurfs geht über Einzelfälle hinaus. Apple nennt in der Klage mehr als 400 ehemalige Mitarbeiter, die inzwischen bei OpenAI arbeiten. Das Unternehmen habe gezielt Abwerbe-Kampagnen durchgeführt und den Wechselprozess so gestaltet, dass Mitarbeiter Apple-Geheimnisse mitnehmen konnten. So habe Tan ausscheidende Mitarbeiter angewiesen, Apple nicht über ihren Wechsel zu OpenAI zu informieren, um so lange wie möglich im Unternehmen zu bleiben und weiterhin Daten abzugreifen.

Zudem wirft Apple OpenAI vor, einen Zulieferer getäuscht zu haben. Ein Fertigungspartner habe eine spezifische Metallveredelungstechnik für ein OpenAI-Gerät angewendet, weil OpenAI behauptete, über Apples Erlaubnis zu verfügen. Dies war laut Klage nicht der Fall.

Siri wechselt zu Google Gemini

Zeitgleich mit der Klage bestätigte Apple, dass die neue Siri-Version im Herbst auf Googles Gemini-Modell setzen wird statt auf ChatGPT. Damit verliert OpenAI einen seiner wichtigsten Vertriebskanäle: die Integration in Hunderte Millionen iPhones. Die Partnerschaft, die 2024 mit großem Aufwand auf Apples Hauptsitz in Cupertino angekündigt wurde, ist de facto beendet. Offiziell läuft die ChatGPT-Integration in Apple Intelligence weiter, jedoch der strategische Kurswechsel ist offensichtlich.

Was bedeutet das für OpenAIs Börsengang?

Die Klage kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für OpenAI. Das Unternehmen bereitet einen der größten Börsengänge der Tech-Geschichte vor, mit einer angestrebten Bewertung von 852 Milliarden Dollar. Eine aktive Klage eines Unternehmens mit drei Billionen Dollar Marktkapitalisierung muss als wesentliches Risiko im S-1-Prospekt offengelegt werden. Zudem hat OpenAI erst im Mai einen Prozess gegen Elon Musk gewonnen, der jedoch Berufung eingelegt hat.

Apple fordert Unterlassung, Schadensersatz und die Rückgabe aller gestohlenen Dokumente. Sollte das Gericht den Vorwürfen folgen, könnte dies OpenAIs Hardware-Pläne massiv verzögern. Das erste Hardware-Produkt aus der Jony-Ive-Kooperation ist ohnehin bereits auf 2027 verschoben worden.

Die Kooperations-Ära ist vorbei

Der Konflikt zwischen Apple und OpenAI zeigt einen tiefgreifenden Wandel in der Tech-Branche. Die Phase der freiwilligen Zusammenarbeit bei KI ist beendet. Apple integrierte ChatGPT 2024, weil das Unternehmen eigene KI-Fähigkeiten brauchte. OpenAI brauchte Apples Distribution. Beide Seiten haben nun entschieden, dass die Kosten der Partnerschaft ihren Nutzen übersteigen. Apple setzt auf Gemini, OpenAI baut eigene Hardware. Die Marktkräfte haben gesiegt, und das Ende ist vor Gericht.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.