Anthropic Urheberrechtsvergleich: 1,5 Milliarden Dollar für 465.000 geklaute Bücher

von Marcel Buchholz 21. Juli 2026 2 Min. Lesezeit KI-Ethik

Richterin Araceli Martinez-Olguin hat am Montag den bislang größten Urheberrechtsvergleich der US-Geschichte endgültig genehmigt. Anthropic muss 1,5 Milliarden Dollar an Autorinnen und Verleger zahlen, deren Werke illegal für das Training von Claudes KI-Modellen verwendet wurden. Etwa 465.000 Bücher waren von Anthropic ohne Zustimmung der Rechteinhaber heruntergeladen und verarbeitet worden.

Was war passiert?

Anthropic hatte seine Trainingsbibliothek aus zwei Quellen aufgebaut: Büchern, die das Unternehmen legal erwarb und scannte, sowie Büchern, die von Piratenplattformen wie Library Genesis und Pirate Library Mirror heruntergeladen wurden. Richter William Alsup entschied im vergangenen Jahr, dass das Training auf urheberrechtlich geschützten Texten als Fair Use gilt. Allerdings stufte er die Beschaffung über Raubkopien als illegal ein. Anstatt ein riskantes Verfahren fortzusetzen, einigte sich Anthropic auf den Vergleich.

3.000 Dollar pro Werk, aber kein Präzedenzfall

Die Zahlung von rund 3.000 Dollar pro betroffenem Werk klingt beträchtlich. Jedoch hätte Anthropic bei einer Niederlage im Prozess bis zu 150.000 Dollar pro Buch zahlen müssen. Bei fast einer halben Million Werke hätte dies das Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Dennoch fielen viele Betroffene nicht aus den Wolken: Die Summe repräsentiere kaum den tatsächlichen Schaden, der durch die massenhafte Aneignung geistigen Eigentums entstanden sei.

Zudem bleibt die zentrale Rechtsfrage offen. Weil Anthropic den Vergleich akzeptierte, wird der Fall nicht vor ein Berufungsgericht kommen. Alsuprs Fair-Use-Entscheidung gilt daher nur für diesen einen Bezirk und schafft keinen bindenden Präzedenzfall. Andere Gerichte können weiterhin eigene Schlüsse ziehen.

Anwälte kassieren 101 Millionen Dollar

Ursprünglich hatten die Anwälte 187,5 Millionen Dollar an Gebühren gefordert. Richter Alsup hatte dies bereits im Vorjahr als überzogen kritisiert. Die endgültige Genehmigung setzt die Gebühren auf 101 Millionen Dollar fest. Bleiben immerhin 1,4 Milliarden Dollar für die Autorinnen und Verlage.

Branchenweite Auswirkungen

Der Anthropic-Fall ist zwar der bisher größte Vergleich, aber bei weitem nicht der einzige. Hachette, Cengage, Elsevier und Autor Scott Turow haben erst vergangene Woche eine Sammelklage gegen Google eingereicht. Der Konzern wird beschuldigt, geschützte Werke für das Training von Gemini genutzt zu haben. Gegen Meta, Midjourney und OpenAI laufen ebenfalls Urheberrechtsklagen.

Maria Pallante, Vorsitzende der Association of American Publishers, bezeichnete den Vergleich als wichtigen Schritt zur Verantwortlichkeit von KI-Entwicklern. Allerdings betonte sie, dass Anthropic kein Einzelfall sei. Jeder große KI-Anbieter habe seine Modelle auf dem Rücken von Autoren und Verlagen trainiert.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Der Vergleich zeigt, dass KI-Firmen für den illegalen Erwerb von Trainingsdaten zur Kasse gebeten werden können. Gleichzeitig bleibt die grundsätzliche Frage ungeklärt: Darf KI urheberrechtlich geschützte Werke für das Training verwenden, wenn die Daten legal beschafft wurden? Solange diese Frage nicht vom Supreme Court geklärt wird, werden Klagen und Vergleiche die Branche weiter prägen.

Für Anthropic ändert der Vergleich wenig am operativen Geschäft. Das Unternehmen betonte, dass die Fair-Use-Entscheidung des Gerichts intakt bleibe und der Vergleich lediglich die Art der Datenbeschaffung betreffe. Die 1,5 Milliarden Dollar verteilen sich auf vier Raten über zwei Jahre.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.