Anthropic TeraWulf Deal: 19 Milliarden Dollar für Claudes neues Rechenzentrum

von Marcel Buchholz 10. Juli 2026 3 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Anthropic sichert sich mit einem 20-jährigen Pachtvertrag über 19 Milliarden Dollar eine der größten KI-Infrastrukturen der Welt. Der Deal mit TeraWulf auf einem ehemaligen Aluminiumwerk in Kentucky zeigt, wie verzweifelt KI-Firmen nach Strom und Rechenleistung suchen.

19 Milliarden Dollar für ein ehemaliges Aluminiumwerk

Der Vertrag zwischen Anthropic und TeraWulf ist beispiellos in der KI-Branche. Anthropic pachtet für 20 Jahre ein komplettes Rechenzentrum mit 401 Megawatt IT-Leistung auf dem Gelände der früheren Century Aluminium-Schmelze in Hawesville, Kentucky. Die geplante Contracted Revenue beläuft sich auf rund 19 Milliarden Dollar über die gesamte Laufzeit. Zudem hat Anthropic die Option, den Vertrag zweimal um je fünf Jahre zu verlängern, was die Miete bis etwa 2047 sichern könnte.

Die Zahlungspflichten beginnen mit der Übergabe jeder Bauphase und werden voraussichtlich durch ein Investment-Grade-Rating abgesichert. Damit erhält TeraWulf eine Einnahmequelle, die eher an Staatsanleihen erinnert als an einen Technologievertrag.

Warum ausgerechnet ein Aluminiumwerk?

Die Standortwahl ist kein Zufall. Das 790 Hektar große Gelände in Hawesville verfügt über rund 480 Megawatt sofort verfügbare, netzgekoppelte Stromkapazität. Diese Infrastruktur wurde über Jahrzehnte für die Aluminiumproduktion aufgebaut. Ein Neubau würde Jahre an Genehmigungsverfahren und Netzwerweiterungen erfordern. TeraWulf hat das Gelände im Februar 2026 von Century Aluminum übernommen, mit Century als Minderheitsgesellschafter.

Darüber hinaus nutzt TeraWulf ein geschlossenes Kühlsystem, das Wasser lokal wiederverwendet statt aus Reservoirs zu entnehmen. Das Kühlmittel ist eine Mischung aus Wasser und Propylenglykol, die durch schrankartige Strukturen hinter den Serverracks zirkuliert.

Anthropics Rechenleistung-Offensive

Der TeraWulf-Deal ist nur der jüngste in einer Reihe monumentaler Infrastrukturvereinbarungen. Anthropic hat bereits einen 5-Gigawatt-Vertrag mit Amazon für Trainium-Chips, eine Multi-Gigawatt-Vereinbarung mit Google und Broadcom für TPU-Kapazität ab 2027, Zugang zum 300-Megawatt-Colossus-1-Cluster von SpaceX in Memphis sowie 30 Milliarden Dollar für Microsoft-Azure-Kapazität zugesichert.

Der Unterschied zum TeraWulf-Deal: Hier ist Anthropic kein Mieter auf fremder Hardware, sondern erhält direkte Kontrolle über Hardware-Konfiguration, Kühlungsdichte und Netzwerktopologie zu einem festen Langzeitpreis. Kein Cloud-Aufschlag, keine Kapazitätskonkurrenz mit anderen Mietern zu Spitzenzeiten.

TeraWulf verkauft Abernathy-Anteil für 530 Millionen

Parallel zum Anthropic-Deal kündigte TeraWulf den Verkauf seines 50,1-Prozent-Anteils an der Abernathy Joint Venture an Fluidstack an. Die Transaktion bringt rund 530 Millionen Dollar in drei Raten: 250 Millionen innerhalb von 14 Tagen, 150 Millionen bis Jahresende und etwa 130 Millionen bis April 2027. Das entspricht einer Prämie auf die ursprüngliche Investition von 450 Millionen Dollar.

Fluidstack ist kein gewöhnlicher Rechenzentrumsbetreiber, sondern der Partner, den Anthropic für sein 50-Milliarden-Dollar-KI-Infrastrukturprogramm ausgewählt hat. Es liegt daher nahe, dass auch der Abernathy-Standort in Texas Anthropic-Workloads hosten wird.

Stromengpass treibt KI-Firmen zu Industriestandorten

Hinter diesen Deals steht ein strukturelles Problem. Städtische und vorstädtische Märkte haben keine sofort verfügbare Netzkapazität mehr. Überlastungen, jahrelange Genehmigungsverfahren und wachsender Widerstand der Bevölkerung gegen Rechenzentren blockieren den Neubau. Industrielle Altstandorte wie Aluminiumhütten, Stahlwerke und Papierfabriken verfügen hingegen über Netzanschlüsse, die für industriellen Dauerbetrieb ausgelegt sind. Wenn diese Werke schließen, bleibt die Stromkapazität erhalten.

Die North American Electric Reliability Corporation hat im Mai 2026 eine Stufe-3-Warnung herausgegeben, die Netzbetreiter auffordert, Zuverlässigkeitsrisiken durch groß angelegte Rechennutzung zu adressieren. Das unterstreicht, wie schnell die KI-Infrastrukturnachfrage die Netzplanung überholt hat.

Was bedeutet das für die KI-Branche?

Der Anthropic-TeraWulf-Deal signalisiert einen strategischen Wendepunkt. KI-Unternehmen sichern sich nicht mehr nur Cloud-Kapazität, sondern bauen physische Infrastruktur auf, die sie über Jahrzehnte kontrollieren. Die Summe von 19 Milliarden Dollar übertrifft TeraWulfs gesamten Marktwert von etwa 12 Milliarden Dollar. Für Anthropic bedeutet der Vertrag, dass Claude bis mindestens 2047 über dedizierte Rechenleistung in Kentucky verfügen kann.

Auch Gerüchte über einen eigenen Anthropic-Chip in Zusammenarbeit mit Samsung passen ins Bild. Wer das Rechenzentrum kontrolliert, will auch die Hardware-Architektur bestimmen. Der Trend geht klar in Richtung vertikaler Integration.

Fazit

Anthropic baut sein Rechenimperium systematisch aus. Nach Cloud-Verträgen mit Amazon, Google und Microsoft kommt nun die direkte Kontrolle über eigene Infrastruktur hinzu. Der TeraWulf-Deal zeigt, dass der Wettlauf um KI-Rechenleistung längst nicht mehr nur um Chips geht, sondern um Strom, Grundstücke und jahrzehntelange Verträge. Wer die Energieversorgung sichert, gewinnt die KI-Zukunft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.