Anthropic kauft sich 20 Jahre Rechenleistung: Was der 9,1-Milliarden-Deal mit einem Bitcoin-Miner verrät

von Marcel Buchholz 11. August 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Anthropic sichert sich für 9,1 Milliarden Dollar Rechenleistung bei einem Bitcoin-Miner. Der 20-Jahres-Vertrag mit Riot Platforms offenbart, wie extrem der Kampf um KI-Infrastruktur geworden ist. Denn wer keine Rechenzentren kontrolliert, hat in der KI-Branche keine Zukunft.

191 Megawatt aus Texas

Der Vertrag umfasst 191 Megawatt Rechenkapazität auf dem Riot-Campus in Rockdale, Texas. Das entspricht dem Strombedarf von etwa 143.000 Haushalten gleichzeitig. Zunächst sollen 96 Megawatt bis Dezember 2027 ans Netz gehen, die volle Ausbaustufe bis Juni 2028. Zwei Verlängerungsoptionen könnten den Gesamtwert auf 16,1 Milliarden Dollar treiben. Bloomberg identifizierte Anthropic als den ungenannten Mieter.

Dritter Mega-Deal in drei Monaten

Allein in den letzten drei Monaten hat Anthropic über 60 Milliarden Dollar an Infrastrukturverträgen geschlossen. Im Mai sicherte sich das Unternehmen fast 45 Milliarden Dollar bei SpaceX. Einen Monat später folgte ein Sechs-Jahres-Vertrag über 10 Milliarden mit dem Cloud-Startup Volta. Nun kommt Riot hinzu. Diese Dimensionen zeigen, dass der KI-Wettlauf sich von reinen Modell-Fähigkeiten auf physische Infrastruktur verlagert hat.

Vom Bitcoin-Miner zum KI-Partner

Für Riot Platforms markiert der Vertrag den nächsten Schritt bei seinem Wandel vom reinen Krypto-Mining zum Hochleistungsrechenzentrum. Die Aktie stieg nach Bekanntgabe um 25 Prozent auf 24,40 Dollar. Im zweiten Quartal erzielte Riot bereits 23,2 Millionen Dollar mit seinem Datacenter-Geschäft. Insgesamt hat das Unternehmen nun 241 Megawatt vertraglich gebunden, was erwartete Verträge von rund 9,8 Milliarden Dollar entspricht. Bitcoin-Miner bieten sich als KI-Partner an, weil sie bereits über Stromanschlüsse und große Flächen verfügen.

Banken in der Abhängigkeitsfalle

Passend zum Deal warnt die Ratingagentur Moody’s vor systemischen Risiken durch die KI-Abhängigkeit des Finanzsektors. Weit über 75 Prozent der Finanzunternehmen nutzen bereits KI, so eine Untersuchung des britischen Schatzamtsausschusses. Jedoch stützen sich die meisten auf wenige Anbieter wie OpenAI und Anthropic. Moody’s nennt das eine „systemische Abhängigkeit“. Ein einziger Ausfall bei einem dieser Anbieter könnte sich branchenweit auswirken.

Zudem stehen OpenAI und Anthropic unter Investorendruck, Profitabilität zu erreichen. Das gibt ihnen künftig Preissetzungsmacht über Banken und Versicherungen. Lloyds Banking Group investiert beispielsweise 13 Milliarden Pfund in seine KI-Strategie, verbunden mit 2 Milliarden Pfund Kosteneinsparungen, die auch Stellen betreffen einschließen. Der Moody’s-Bericht sieht zudem ein 20-prozentiges Risiko, dass KI bis 2030 die Arbeit eines „soliden Mittelklasse-Mitarbeiters“ übernehmen könnte.

Was der Deal bedeutet

Anthropics Rasen nach Rechenleistung hat einen klaren Grund: Wer die Chip- und Stromkapazitäten nicht langfristig sichert, verliert den Anschluss. Die Konkurrenz mit OpenAI und Google um Infrastruktur ist inzwischen genauso wichtig wie der Wettbewerb um Modellqualität. Jedoch zeigt der Moody’s-Bericht die Schattenseite dieser Entwicklung. Wenn Banken, Versicherungen und Regierungen von wenigen KI-Anbietern abhängig werden, entsteht eine neue Art von Monopolmacht.

Der 9,1-Milliarden-Deal ist daher mehr als ein Mietvertrag. Er ist ein Symptom dafür, dass sich die KI-Branche von einem Technologie- zu einem Infrastrukturgeschäft wandelt. Dabei profitieren nicht nur die KI-Firmen, sondern auch jene, die den Strom und die Rechenzentren bereitstellen, von Bitcoin-Minern bis zu Cloud-Startups.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.