Anthropic Bewertung: 900 Milliarden und der Marsch an OpenAI vorbei

von Marcel Buchholz 16. Mai 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Anthropic Bewertung: 900 Milliarden und der Marsch an OpenAI vorbei

Anthropic verhandelt eine Finanzierungsrunde, die alles Bisherige in den Schatten stellt. 30 Milliarden Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von 900 Milliarden Dollar stehen zur Debatte. Damit würde das Unternehmen von Dario Amodei erstmals den Rivalen OpenAI überholen. Dessen letzte Bewertung liegt bei 852 Milliarden Dollar. Die Anthropic Bewertung steigt jedoch in einem Tempo, das selbst für KI-Verhältnisse außergewöhnlich ist.

Die beispiellose Bewertungs-Rakete

Noch im März 2025 war Anthropic gerade mal 61,5 Milliarden Dollar wert. Danach beschleunigte sich alles. September 2025 brachte die Series F und 183 Milliarden Dollar. Im Februar 2026 folgte die Series G mit 30 Milliarden Dollar bei 380 Milliarden Bewertung. Nun, nur drei Monate später, steht der Sprung auf 900 Milliarden im Raum. Das ist folglich fast eine Verfünffachung innerhalb von 14 Monaten.

Die neue Runde wird von Dragoneer, Greenoaks, Sequoia Capital und Altimeter Capital angeführt. Jeder dieser Investoren steuert mindestens zwei Milliarden Dollar bei. Drei davon sind gleichzeitig bei OpenAI engagiert. Amazon und Google, die bisherigen Großinvestoren, sind diesmal voraussichtlich nicht beteiligt. Die Runde soll außerdem noch im Mai abgeschlossen werden.

Was die Anthropic Bewertung antreibt

Zwei Faktoren erklären den Investorendruck. Zunächst ist da der Umsatz. Anthropic verdiente Ende 2025 neun Milliarden Dollar auf Jahresbasis, wie das Unternehmen bestätigte. Bis Ende März 2026 kletterte dieser Wert auf 30 Milliarden. Noch kein Technologieunternehmen in den USA ist jemals so schnell gewachsen. Etwa 80 Prozent des Umsatzes stammen von Geschäftskunden. Zudem geben über 1.000 Unternehmen jährlich mehr als eine Million Dollar für Claude-Dienste aus.

Außerdem treibt Mythos die Nachfrage. Das Sicherheitsmodell, das Anthropic im April vorstellte, hat Diskussionen auf höchster Regierungsebene ausgelöst. Das Weiße Haus blockiert jedoch eine Ausweitung, weil Anthropic nicht genug Rechenleistung hat. Deshalb braucht das Unternehmen neues Kapital für mehr Compute. Amazon und Google stellten jeweils fünf Gigawatt bereit. Das reicht aber nicht für Mythos im großen Maßstab. Auch unser Bericht über den Mythos-Leak zeigt, wie brisant dieses Modell ist.

Konkurrenzdrama mit offenem Ausgang

Anthropic würde OpenAI bei der Bewertung überholen. Wie lange das so bleibt, ist allerdings fraglich. OpenAI hat mit ChatGPT die größte Nutzerbasis. Anthropic hingegen dominiert den Enterprise-Markt und den Coding-Sektor. Die Frage ist, welche Strategie langfristig gewinnt. Ein Börsengang könnte beide Lager jedoch bald auf eine gemeinsame Bühne zwingen. Ein IPO wird für Oktober 2026 diskutiert. OpenAI steht selbst unter Börsengang-Druck, wie wir berichteten.

Fazit

Die Anthropic Bewertung ist ein Spiegel der KI-Industrie selbst. In 14 Monaten von 61 auf 900 Milliarden zu springen, war vor zwei Jahren undenkbar. Der Umsatz wächst schneller als bei jedem anderen Tech-Unternehmen. Mythos braucht jedoch mehr Rechenleistung, und Investoren pumpen Milliarden nach. Ob Anthropic OpenAI dauerhaft überholt, bleibt offen. Die Zahlen sprechen daher eine klare Sprache: Das Rennen um die wertvollste KI-Firma der Welt ist längst nicht entschieden.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.