Anthropic baut Rechenzentren in Europa: Das Ende der Cloud-Abhängigkeit

von Marcel Buchholz 21. April 2026 1 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Anthropic baut Rechenzentren in Europa

Anthropic sucht laut Stellenausschreibungen nach Fachleuten für Rechenzentrumsverträge in Europa und Australien. Das KI-Unternehmen baut damit erstmals ein eigenes Rechenzentrum-Team für Standorte außerhalb der USA. Bisher hatte Anthropic jedoch ausschließlich mit Cloud-Anbietern zusammengearbeitet.

Warum Anthropic jetzt international expandiert

Die europäische Stelle ist in London angesiedelt und umfasst mehrere Länder. Dazu gehören große Rechenzentrumsstandorte wie Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin. Zudem fallen aufkommende Märkte in Nordeuropa und Südeuropa darunter. Die australische Rolle ist jedoch auf Sydney beschränkt.

Gleichzeitig hat Konkurrent OpenAI seine Stargate-Projekte in Großbritannien und Norwegen auf Eis gelegt. Anthropic hat weiterhin große Cloud-Verträge mit Google, AWS und Microsoft. Alle drei sind zudem Investoren des Unternehmens. Daneben plant das Unternehmen eigene US-Rechenzentren im Wert von 50 Milliarden Dollar, wie Anthropic bestätigt.

Cloudpartner behalten, aber nicht mehr abhängig sein

Anthropic geht einen vorsichtigen Weg. Man behält die Cloud-Partnerschaften bei, baut aber parallel eigene Infrastruktur-Kapazitäten auf. Das ist eine Reaktion auf die akuten Kapazitätsengpässe, die das Unternehmen seit Monaten plagen.

Claude-Nutzer kennen die frustrierenden Rate-Limits, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Mit eigenen Rechenzentren kann Anthropic diese Probleme zumindest teilweise adressieren. Selbst wenn sie nur einen Teil der Gesamtkapazität ausmachen. Auch Amazons 25-Milliarden-Investition zeigt, wie dringend das Unternehmen Kapazität braucht.

Was das für den europäischen KI-Markt bedeutet

Für Europa ist Anthropics Einstieg in den Rechenzentrumsbau ein positives Signal. Bisher dominieren US-Cloud-Riesen wie AWS, Google Cloud und Azure den Markt für KI-Infrastruktur. Wenn Anthropic als unabhängiger Player eigene Kapazitäten aufbaut, könnte das die Abhängigkeit von den großen Plattformen jedoch reduzieren.

Gleichzeitig zeigt die Expansion, wie wichtig Rechenzentren für die KI-Zukunft geworden sind. Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert nämlich auch die KI-Entwicklung. Anthropics Bewertung von 900 Milliarden Dollar unterstreicht, wie viel Kapital in diese Infrastruktur fließt.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.