AMD investiert 5 Milliarden in Anthropic: Der Chip-Deal der die KI-Branche aufmischt

von Marcel Buchholz 22. Juli 2026 3 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

AMD investiert bis zu 5 Milliarden Dollar in Anthropic und liefert dafür 2 Gigawatt Rechenleistung. Der Deal mit den neuen MI450-GPUs verändert den KI-Chipmarkt und bringt AMD näher an Nvidia heran.

2 Gigawatt für Claude: Was der Deal beinhaltet

AMD und Anthropic haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, die die KI-Infrastruktur neu ordnet. Anthropic wird bis zu 2 Gigawatt an AMD Instinct MI450-Series-GPUs in AMD-Helios-Rack-Lösungen einsetzen. Das erste Gigawatt soll bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres bereitstehen. Zusätzlich investiert AMD bis zu 5 Milliarden Dollar als strategische Beteiligung in Anthropic. Damit sichert sich der Chip-Hersteller einen der wichtigsten KI-Kunden der Branche.

Die MI455X-GPUs bilden das Herzstück der neuen Helios-Plattform. Sie werden zusammen mit AMD-EPYC-Venice-Prozessoren, Pensando-Netzwerkhardware und ROCm-Software ausgeliefert. AMD-Chefin Lisa Su sprach von einem Meilenstein für die Helios-Plattform. Zudem vereinbarten beide Unternehmen eine mehrjährige Engineering-Kooperation. Claude soll AMDs Software-Entwicklung beschleunigen und Workloads für Instinct-GPUs optimieren.

Nvidias Dominanz wackelt: Der Kontext

Der Deal trifft Nvidias Marktmacht direkt. Bisher dominiert Nvidia den Markt für KI-Beschleuniger mit einem Anteil von über 80 Prozent. AMD positioniert sich jedoch zunehmend als Alternative. Bereits im Oktober schloss AMD einen Chip-Deal mit OpenAI ab, der unter anderem Aktienoptionen umfasste. Jetzt folgt der nächste Großkunde mit Anthropic. Die Nachricht trieb den AMD-Aktienkurs in den Handel am 22. Juli spürbar nach oben.

Allerdings bleibt Nvidia der unangefochtene Marktführer. Nvidias neue Vera-Rubin-Architektur verspricht zehnmal billigere Inferenzkosten. Zulieferer wie Wistron bauen bereits neue Fabriken, um die Nachfrage zu bedienen. Dennoch sendet die AMD-Anthropic-Partnerschaft ein klares Signal. KI-Unternehmen wollen nicht länger von einem einzigen Chip-Anbieter abhängig sein.

Anthropics Rechenpower-Offensive

Für Anthropic ist der AMD-Deal der jüngste in einer Reihe von Infrastruktur-Vereinbarungen. Im April schloss das Unternehmen einen Multi-Gigawatt-Vertrag mit Google und Broadcom. Ebenfalls im April vereinbarte Anthropic eine Multi-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit Amazon. Zusätzlich nutzt Anthropic SpaceX-Colossus-Rechenzentren für 1,25 Milliarden Dollar pro Monat. Gespräche mit Meta über zusätzliche Rechenkapazität laufen ebenfalls.

Die massive Nachfrage nach Claude-Modellen treibt diese Expansion. Anthropics Jahresumsatz überstieg kürzlich 47 Milliarden Dollar. Im Mai schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar ab. Die enorme Nachfrage führte jedoch auch zu Problemen. Anthropics Infrastruktur geriet unter Druck, was die Zuverlässigkeit für Nutzer beeinträchtigte.

OpenAI kontert mit 30 Milliarden in Georgia

Am selben Tag kündigte OpenAI ein gigantisches Rechenzentrum in Effingham County, Georgia, an. Das sogenannte Projekt Camellia umfasst 3,2 Gigawatt Stromversorgung und soll über 30 Milliarden Dollar kosten. Die Energieversorgung wird schrittweise zwischen 2028 und 2032 bereitgestellt. OpenAI verspricht, dass die Stromkosten nicht auf lokale Anwohner umgelegt werden. Zusätzlich stellt das Unternehmen 80 Millionen Dollar für Gemeindeprojekte bereit.

OpenAI hat zudem seine geplanten Cloud-Ausgaben auf 750 Milliarden Dollar hochgeschraubt. Die Investitionssummen zeigen, wie sehr KI-Firmen ihre Infrastruktur ausbauen. Dabei geht es nicht nur um Training, sondern zunehmend um Inferenz. Die laufenden Betriebskosten für KI-Modelle wachsen schneller als die Trainingskosten.

Was bedeutet das für die KI-Branche?

Die AMD-Anthropic-Partnerschaft markiert einen Wendepunkt. Zwar dominiert Nvidia weiterhin den Markt. Aber die Tatsache, dass ein Top-KI-Unternehmen 2 Gigawatt an AMD-Hardware bestellt, zeigt Vertrauen in die Konkurrenz. AMDs ROCm-Software galt lange als Schwachpunkt. Die Zusammenarbeit mit Anthropic an der Software-Optimierung könnte dieses Problem lösen.

Für europäische KI-Souveränität bleibt die Lage angespannt. Die Rechenleistung konzentriert sich weiter auf wenige amerikanische Unternehmen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Chip-Versorgung. Nvidias nächste Chip-Generation wird den Markt weiter verändern. Die Frage bleibt, ob AMD genug liefern kann, um die Versprechen einzulösen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.