Amazon verdoppelt Indien-Wette: 48 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur bis 2030

von Marcel Buchholz 25. Juni 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Nach einem Treffen zwischen Amazon-CEO Andy Jassy und Indiens Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi hat Amazon eine zusätzliche Investition von 13 Milliarden Dollar für KI- und Cloud-Infrastruktur in Indien angekündigt. Damit steigt die Gesamtsumme auf 48 Milliarden Dollar bis 2030. Die Ankündigung markiert den bislang größten Einzelinvestitions-Boost eines US-Techkonzerns in Indiens aufstrebenden KI-Markt.

Was die 13 Milliarden Dollar bewegen

Die frischen 13 Milliarden Dollar erweitern die AWS-Rechenzentrumskapazitäten in Mumbai und Hyderabad deutlich. Startups, Unternehmen und Regierungsbehörden sollen Zugang zu Amazons eigenen KI-Chips, Trainium, sowie verwalteten KI-Services erhalten. Bereits im Dezember 2025 hatte Amazon 35 Milliarden Dollar für Indien zugesagt, zuvor 2023 weitere 15 Milliarden. Die kumulierte Investitionssumme seit 2010 beläuft sich auf über 88 Milliarden Dollar.

Zudem baut Amazon sein Logistiknetz massiv aus: Mehr als 20 neue Fulfillment-Center und über 100 Last-Mile-Stationen sind für dieses Jahr geplant. Der Schnelllieferdienst Amazon Now wird auf über 300 Städte ausgeweitet.

Indien als globales KI-Zentrum

Amazons Schub ist Teil eines breiteren Trends. Microsoft investiert 17,5 Milliarden Dollar bis 2029, Google 15 Milliarden für einen KI-Hub im Land. Auch australische AirTrunk hat 30 Milliarden für Rechenzentren in Indien zugesagt, Reliance Industries plant 110 Milliarden und die Adani-Gruppe 100 Milliarden. Die indische Regierung lockt mit Steuerbefreiungen bis 2047 für ausländische Cloud-Anbieter, deren Workloads von indischen Rechenzentren aus bedient werden.

Die Zahlen sprechen für sich: Indien hat bereits über 10 Millionen Menschen in Cloud-Kompetenzen geschult, 12 Millionen Kleinunternehmen digitalisiert und 20 Milliarden Dollar an E-Commerce-Exporten ermöglicht. Amazon plant bis 2030 zusätzlich 3,8 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen, 15 Millionen Kleinunternehmen mit KI zu versorgen und 4 Millionen Schülern an staatlichen Schulen KI-Bildung zu bieten.

Strategisches Kalkül hinter der Investition

Doch die Investition ist nicht reine Großzügigkeit. Amazon rangiert in Indiens hart umkämpftem Quick-Commerce-Markt hinter Konkurrenten wie Blinkit, Swiggy Instamart und Zepto. Walmarts Flipkart kündigte dieser Woche 1.500 neue Micro-Fulfillment-Center an. Der KI-Ausbau dient auch der langfristigen Marktstellung: Wer die Cloud-Infrastruktur stellt, gewinnt die nächste Generation von KI-Startups als Kunden.

Jassy betonte nach dem Modi-Treffen die Übereinstimmung von Amazons Geschäftszielen mit Indiens Prioritäten: Demokratisierung von KI, Digitalisierung kleiner Unternehmen und Arbeitsplatzschaffung. Ob die 48 Milliarden diese Versprechen einlösen, wird sich zeigen. Fest steht: Indien wird zum entscheidenden Schauplatz im globalen KI-Infrastruktur-Wettrennen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.