Alphabets Quartalsergebnis liest sich wie ein Rekord: 112 Milliarden Dollar Gewinn in drei Monaten. Doch hinter der Zahl steckt ein Kreislauf, der Fragen aufwirft. Der Google-Mutterkonzern verbuchte rund 99 Milliarden Dollar an unrealisierten Gewinnen aus Beteiligungen, vor allem an Anthropic und SpaceX. Gleichzeitig steigen die Ausgabenverpflichtungen auf 811 Milliarden Dollar. Das Verhältnis von Investition und Rückfluss wirft ein neues Licht auf den KI-Boom.
99 Milliarden Dollar aus Beteiligungen
Alphabet meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverdienst von 112,1 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 298 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings stammen rund 99 Milliarden Dollar daraus, dass der Wert von Anthropic und SpaceX gestiegen ist. Anthropic war im Mai bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar angesiedelt. Alphabets Anteil von etwa 14 Prozent macht rund 124 Milliarden Dollar aus. Zuvor hatte Google rund 3 Milliarden in Anthropic investiert und Zusagen für bis zu 30 Milliarden mehr gegeben. Die Wertsteigerung ist enorm, aber sie existiert nur auf dem Papier. Auch AMDs 5-Milliarden-Investition in Anthropic zeigt, wie sehr die Bewertung von großen Partnern abhängt.
Der Kreislauf zwischen Cloud und Bewertung
Anthropic hat sich verpflichtet, mindestens fünf Gigawatt Rechenleistung bei Google Cloud zu kaufen. Das entspricht dem Strombedarf von vier Millionen Haushalten. Diese Zahlungen fließen in den Cloud-Bereich, der um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar wuchs. Gleichzeitig treibt Anthropic die Expansion den Wert der Beteiligung nach oben. Das bedeutet: Alphabet investiert in Anthropic, Anthropic kauft bei Google Cloud, die Bewertung steigt, und Alphabet bucht die Wertsteigerung als Ertrag. Analysten weisen darauf hin, dass diese Kreisläufigkeit die tatsächliche operative Leistung überdeckt. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Googles eigenem KI-Ausbau, wo Cloud-Wachstum und Investitionsausgaben Hand in Hand gehen.
811 Milliarden Dollar an zukünftigen Verpflichtungen
Parallel zu den Gewinnzahlen offenbarte Alphabet einen weiteren Rekord: 811 Milliarden Dollar an vertraglichen Ausgabenverpflichtungen. Das sind fast 500 Milliarden mehr als noch drei Monate zuvor. Diese Summe umfasst Verpflichtungen für Chips, Rechenzentren, Strom und Lizenzen. Außerdem erhöhte Alphabet seine Kapitalausgaben-Prognose für 2026 von 180 bis 190 Milliarden auf 195 bis 205 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow drehte im zweiten Quartal ins Negative: minus 5,9 Milliarden Dollar. Die Aktie fiel nach dem Bericht um fast sieben Prozent. Wie erst kürzlich bei der 890-Millionen-Euro-Strafe gegen Google deutlich wurde, stehen die regulatorischen Risiken zusätzlich im Raum.
Was der IPO klären wird
Anthropic hat vertraulich einen Börsengang beantragt. Ein IPO würde die Bewertung öffentlich testen und Alphabets Anteil handelbar machen. Bis dahin bleiben die Gewinne papierene Werte, die sich bei einer Korrektur schnell umkehren können. Die operative Leistung von Alphabet ist solide: Der Umsatz wuchs um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar, Google Cloud boomt, und Search bleibt profitabel. Doch Anleger müssen künftig zwischen dem Kerngeschäft und einem KI-Investitionsportfolio unterscheiden, das das Ergebnis dominiert. Der KI-Kreislauf zwischen Investition, Cloud-Umsatz und Bewertung ist kein Selbstläufer. Er funktioniert nur, solange die Bewertungen steigen. Das zeigen auch die 1,5 Milliarden Dollar Klage gegen Anthropic und der wachsende Druck auf KI-Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle zu rechtfertigen.